Große Paltrockmühle und Kleine Bockwindmühle in Langerwisch zu besichtigen

Die große Paltrockmühle der Familie Melior in Langerwisch ist weithin sichtbar - besonders wenn sich die Flügel drehen. Jedes Jahr zum Deutschen Mühlentag ist das technische Denkmal auch von innen zu besichtigen. Jörg-Peter Melior oder sein Sohn Peter erklären gern den Besuchern das Innenleben und wie der Weg vom Korn zum Mehl funktioniert. Übrigens steht die Mühle seit 130 Jahren auf der kleinen Anhöhe in Neu-Langerwisch, das ist schon fast eine Ewigkeit.
Die daneben stehende kleine Windmühle
ist nicht ganz so alt, aber nicht weniger interessant. Das Miniaturexemplar
einer Bockwindmühle im Maßstab 1:4 wurde 1938 in Paretz bei Ketzin für den Sohn
des damaligen Müllermeisters erbaut. Der
Alte wollte so den Jungen in die Kunst der Müllerei einführen. Leider verstarb
der Sohn im zweiten Weltkrieg und die Müllerei in Paretz konnte nicht an die
nächste Generation weiter gegeben werden.
Die kleine Mühle ist als Schrotmühle
voll funktionstüchtig, ohne jedoch von wirtschaftlicher Bedeutung zu sein. Sie
kam zu einem bis heute unbekannten Zeitpunkt nach Fahrland bei Potsdam, wo sie
der Müllermeister Gutschmidt bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts
erhalten und genutzt hat. Der alte Gutschmidt kam einmal im Jahr mit dem Bus
nach Langerwisch, borgte sich vom Pfarrer ein Fahrrad und besuchte seinen
Kollegen Otto Melior. Die beiden Müllermeister plauderten eine Weile und dann
ging die Fahrt zurück. Bei einem dieser Besuche wird verabredet worden sein,
dass der kinderlose Gutschmidt dem mit vier Söhnen gesegneten Otto Melior die
kleine Mühle für ihren eigentlichen Zweck, die Heranführung der Jugend an das
Müllerhandwerk, weiter gegeben hat.
Im Jahre 1968 wurde die kleine
Bockwindmühle von Otto Melior nach Langerwisch an den Standort neben den großen
Paltrock geholt und ist jetzt schon über 40 Jahren im Familienbesitz der
Meliors. Ihren ursprünglichen Zweck hat
sie übrigens auch erfüllt. Am 13.November 1972 wurde die Bockwindmühle bei
einem orkanartigen Sturm fast völlig zerstört. In den Folgejahren bemühten sich
die Söhne um den Wiederaufbau. Das war zu Zeiten der DDR-Mangelwirtschaft keine
leichte Aufgabe und viele Einzelteile mußten in Handarbeit gefertigt werden.
Die Mühle wurde innerhalb des Grundstücks noch einmal umgesetzt und wieder in
Betrieb genommen. Inzwischen ebenfalls als Denkmal anerkannt erhielt sie
2000/2001 neue Jalousie-Flügel, die in den letzten Monaten erneut ausgebessert
werden mussten, wie auch das kleine Treppchen an der Seite. Frederic Schüler
und ein Kollege der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg haben am 9. Mai das
Werk vollendet und die Flügel wieder eingehängt. So kann am 1. Juni, dem
Deutschen Mühlentag 2009, nicht nur die Technik im großen Paltrock bestaunt
werden, sondern auch die kleine Bockwindmühle. Für Kinder ist das immer ein
ganz besonderes Vergnügen. Sie können die kleinen Mahlsteine und den
Trichter, den viele aus den Geschichten von Max und Moritz kennen, sehen.
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