Demokratie ist kein Geschenk, man muss dafür kämpfen
Freitag, 14. August 2009
Blumenstrauß des Monats - August 2009
Die Ausstellungseröffnung "20 Jahre friedliche Revolution" ist für Susanne Melior auch Anlass, dem Demokraten der ersten Stunde, Jochen Löggow aus Töplitz den Blumenstrauß des Monats August zu übergeben.
Der Rentner ist im Frühjahr 1989 aus Protest gegen die Solidarisierung der DDR-Führung mit dem blutigen Eingreifen der chinesischen Regierung gegen die Demonstranten auf dem Platz des Himmlischen Friedens aus der SED ausgetreten.
Er durchlebte einen gravierenden Erkenntnisprozess, der bereits mit der Niederschlagung des Prager Frühlings begann und dem Ausweisen von DDR-Künstlern, darunter Wolf Biermanns, weiter ging. Löggow gelangte zu der Überzeugung, dass die sozialistische Gesellschaft eine Menschen verachtende Diktatur war. 1989 beteiligte er sich an den Demonstrationen der Bürgerbewegungen und erlebte hautnah Verzweiflung, Gewalt und Hoffnung.
Auf der Suche nach neuer politischer Heimat wurde er am 11. Juni 1990 Mitglied der SPD. Die Genossen im Ortsvereins wählten ihn zum Vorsitzenden. Er wurde in die Gemeindevertretung gewählt und übernahm den Fraktionsvorsitz. Jochen Löggow war stellvertretender Bürgermeister in Töplitz und Mitglied im Werderaner Amtsausschusses. Zwei Wahlperioden kämpfte er für seine demokratischen und sozialen Überzeugungen. Erst schwere Krankheit zwang ihn seine Mandate zu beenden.
Susanne Melior zur Ehrung: „Jochen Löggow steht für viele andere, die schon lange vor 1989 zumindest gespürt haben, dass etwas nicht in Ordnung ist und so auch nicht bleiben kann. Aber er hatte sich schon einmal entschieden und so war der Schritt mit zu machen schwerer als für viele unbelastete Bürgerrechtler. Jochen Löggow hat sich auf die Suche begeben nach Gleichgesinnten und ist Sozialdemokrat geworden. Er hat sich am Aufbau demokratischer Strukturen aktiv beteiligt und sein Wissen und seine Überzeugungen eingebracht. Dafür möchte ich ihm danken.“