Susanne Melior
Für Brandenburg in Europa.

Zu süß, zu fett, zu salzig?

Susanne Melior diskutierte mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern am 19. Oktober 2017 über Strategien für eine gesunde Ernährung.

„In Europa ist fast jeder zweite Erwachsene übergewichtig. Diese Statistiken machen deutlich, dass sich viele Menschen auf Dauer ungesund ernähren“, erläutert die Europaabgeordnete. „Ich habe gesundes und ausgewogenes Kochen noch von meiner Mutter und Großmutter gelernt. Doch heute stellen sich immer weniger Menschen selbst hinter den Herd. Da aus Zeitnot auf Fertigprodukte zurückgriffen wird, ist es wichtig, dass deren Zusammensetzung verbessert wird, insbesondere der Gehalt an Salz, Zucker und Fett. Die Sozialdemokraten im Europaparlament fordern daher strengere Regeln für die Lebensmittelindustrie“, so Melior weiter.

Professor Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke gab mit seinem Vortrag zur Frage „Gesunde Ernährung: was wissen wir und was ist umstritten?“ einen Überblick über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Er bestätigte, dass Fettleibigkeit ein globales Problem ist. Die gesundheitlichen Folgen, wie Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Krebs, sind Schätzungen zufolge für etwa die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich. Der Ernährungswissenschaftler machte aber auch deutlich, dass eine einzelne Studie noch keine große Aussagekraft über die Auswirkungen einer Ernährungsweise hat. Eine vorschnelle Einteilung der Lebensmittel in „gut“ und „böse“ gilt es daher zu vermeiden. In seiner Forschungsarbeit vergleicht er viele verschiedene Studien mit mehreren tausend Probanden über lange Zeiträume. Als erwiesen gilt, dass sich insbesondere zuckerhaltige Getränke ungünstig auf den Körper auswirken. Professor Pfeiffer empfiehlt eine proteinreiche Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten aus Nüssen und pflanzlichen Ölen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion saßen sich mit Oliver Huizinga von foodwatch und Sara Mruck vom Lebensmittelkonzern Nestlé Verbraucherlobby und Lebensmittelindustrie gegenüber. Nestlé hat in einer Selbstverpflichtung den Gehalt an Zucker zwischen 2014 und 2016 um fast 7 % reduziert und möchte ihn bis 2020 um weitere 5 % senken, so Sara Mruck. Professor Pfeiffer wandte jedoch ein, dass eine Reduzierung des Zuckers um mindestens die Hälfte notwendig wäre, um spürbare Vorteile für die Gesundheit zu erzielen.

Weitere Podiumsgäste waren Ronny Pietzner, Koch und Gründer der Stiftung Ernährung – Bildung – Gesundheit, und Anne Baaske, Geschäftsführerin des AWO Landesverbandes Brandenburg. Beide Gäste engagieren sich, Kinder in Kitas und Schulen spielerisch durch eigenes Ausprobieren an gesunde Lebensmittel heranzuführen. Aus dem Publikum wurde der Hinweis gegeben, dass Jugendliche, die bereits in höheren Klassenstufen oder in der Ausbildung sind, viel Ungesundes nebenbei essen und sich wenig bewegen. Daher ist gerade die Pubertät und das Alter darüber hinaus ein kritischer Zeitpunkt, in dem viele junge Menschen übergewichtig werden. Oliver Huizinga und Professor Pfeiffer befürworten daher die Einführung einer Zuckersteuer, die vergleichbar mit der Tabaksteuer zu einer positiven Verhaltensänderung führen könnte. „Im Umweltausschuss des  Europäischen Parlaments wurde, auch mit meiner Stimme, für das Verbot von speziell auf Kinder ausgerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel gestimmt. Im Plenum konnte sich diese Entscheidung jedoch leider nicht durchsetzen“, so Susanne Melior. Einem aktuellen WHO-Bericht zufolge hat sich die Zahl fettleibiger Kinder und Jugendlicher in den vergangenen 40 Jahren mehr als verzehnfacht. Zu diesem Trend habe laut der Organisation auch Werbung für ungesunde Nahrung beigetragen.

Susanne MeliorProfessor Dr. Andreas Pfeiffer

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