Susanne Melior
Für Brandenburg in Europa.

Döner-Entscheidung übereilt und unnötig

Eine knappe Mehrheit des Europaparlaments hat am 13. Dezember 2017 gegen den Einwand des zuständigen Ausschusses gestimmt. Damit werden phosphathaltige Lebensmittelzusatzstoffe für die Produktion von tiefgefrorenen Fleischdrehspießen wie von der EU-Kommission geplant erlaubt.

Die Sozialdemokraten haben mehrheitlich für das Veto, also gegen eine Zulassung zum jetzigen Zeitpunkt gestimmt, weil die europäische Lebensmittelbehörde EFSA derzeit noch die Sicherheit von phosphathaltigen Zusatzstoffen untersucht.

„Die Entscheidung für eine Zulassung von Phosphat in Döner war zum jetzigen Zeitpunkt übereilt, unnötig und vermutlich auch ein Resultat der jüngsten Panikmache. Niemand hatte vor, Döner Kebab in der Europäischen Union zu verbieten. Wir haben lediglich unsere eigene europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ernst genommen und wollten deshalb die Auswertung der Studien zu den Phosphaten abwarten. Ich hätte mir gewünscht, dass die Entscheidung auf einer breiten wissenschaftlichen Basis erfolgt wäre und nicht aufgrund von Panikmache. Bis zum Vorliegen der Studienergebnisse hätte ich nichts an der Verordnung geändert. Die Döner-Kebab-Spieße hätten sich wie bisher weitergedreht – auch jetzt herrscht schließlich kein Döner-Notstand“, erklärt Susanne Melior, SPD-Europaabgeordnete im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Der Einwand richtete sich gegen eine Änderung der Lebensmittelzusatzstoff-Verordnung. Demnach sollen eine Reihe von Phosphaten für die Verwendung in tiefgefrorenen Fleischdrehspießen zugelassen werden. Grundsätzlich ist der Einsatz solcher Zusätze in Fleischerzubereitungen nicht gestattet, außer für genau bezeichnete Ausnahmen wie Kasseler und Brät. De facto wurde die Nutzung von Phosphat in tiefgefrorenen Fleischspießen aber in den meisten Fällen geduldet. Nun werden diese auch offiziell zu den Ausnahmen hinzugefügt. Die Ergebnisse der EFSA zu phosphathaltigen Zusatzstoffen werden für Ende 2018 erwartet.

Die derzeit gültige Evaluierung für Phosphate stammt aus dem Jahr 1991 und empfiehlt eine tolerierbare Tagesdosis von 70 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. In den vergangenen 26 Jahren sind jedoch gesundheitliche Bedenken gegen den Einsatz von phosphathaltigen Lebensmittelzusatzstoffen aufgekommen. „Bei einem so sensiblen Thema wie Nahrungsmitteln ist es besser, vorsichtig zu sein, als nachher unangenehm überrascht zu werden. Warum wir jetzt ohne Not eine Zulassung aussprechen, wo doch gerade Untersuchungen zu dem betreffenden Stoff laufen, leuchtet mir schlichtweg nicht ein“, so Susanne Melior.

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